Kanban

Der Begriff „Kanban“ (auf Deutsch ‚Karte‘) ist im 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit japanischen Geschäftspraktiken entstanden, indem japanische Händler durch bestimmte eingravierte Symbole ihren Handelsinhalt oder ihr Wissen kundtaten. Heute ist dieser Begriff meistens mit der Verschlankung von Geschäftsprozessen verbunden.

Anfangs, als Herr Toyoda von der Toyota Motor Company das Konzept des Kanban entwickelt hat, lag sein Schwerpunkt darin zu erfahren, wie er sich gewisse Prinzipien bei den japanischen Händlern zunutze machen konnte. Er machte die Beobachtung, dass der Anstoß der Lieferkette beim Wiederauffüllen der Regale durch die Kundennachfrage bestimmt wurde und nicht wieder erwarten durch die eigenen Aktivitäten. Waren die Regale voll, so passierte nichts, stattdessen wurde das Regal immer nur dann aufgefüllt, wenn der Kunde eine Bestellung tätigte und im Regal ein Platz leer war. Toyoda erkannte, dass diese Art der Lieferkette auch seine Montageprozesse im Werk voranbringen würde und dadurch am Ende auch das Arbeitsvolumen reduziert werden konnte. So minimierte er seine Lagerbestände, was wiederum zu Einsparungen im gesamten operativen Geschäft führte.

Kanban heute

Eine wichtige Komponente der Veränderung ist das Verständnis, dass zuerst einmal vorhandene Prozesse angepasst werden sollten, bevor man neue Prozesse entwickelt. Prominente Vertreter der kontinuierlichen Verbesserungsbewegung spürten schnell, dass es deutlich zielführender für ein Unternehmen ist, einen vorhandenen Prozess anzupassen und zu verbessern, als einen komplett neuen Prozess zu implementieren. Die Veränderung eines bestehenden Prozesses reduziert den Organisationsumbruch auf ein Minimum und die generelle Arbeitsfähigkeit des Systems wird kaum in Mitleidenschaft gezogen.

Implementieren sie Veränderungsprozesse mit viel Sorgfalt

Kanban hat viele praktische Anwendungsmöglichkeiten. Kanban kann ein effizienter Weg sein um das Arbeitsvolumen im Unternehmen zu begrenzen. Periphere Kosten, die nicht unmittelbar mit dem Produkt an sich zu tun haben, sinken dadurch drastisch und das Unternehmen steigert seine Rentabilität deutlich. Allerdings muss, wie bei jeder neuen Verbesserungsinitiative die Prozessverbesserung durch das Management vorgenommen und sichergestellt werden. Für die Beteiligten muss möglichst große Transparenz herrschen und alle Teilnehmer müssen ihr Bestes geben. Jeder und damit sind alle Stakeholder gemeint, müssen in die neue Prozesslandschaft eingebunden und zu einem Beteiligten gemacht werden. Andernfalls können neue Prozesse, die nicht vollständig verstanden oder gebilligt wurden, die Produktivität des Systems negativer beeinflussen, als es die alten Prozesse getan hätten.

Kanbantafeln

Kanbantafeln werden eingesetzt um den Fortschritt einzelner operativer Schritte in den unterschiedlichen Phasen z.B. der Produktentstehung zu visualisieren. Eine Kanbantafel ist in mehrere Spalten aufgeteilt, wobei jede der Spalten einen gewissen Status repräsentiert. Wenn eine neue Aufgabe durchgeführt werden soll, kann diese nur dann in den Prozess integriert werden, wenn das Kanbansystem und damit das Arbeitsvolumen im Unternehmen dies zulässt. Lassen sie uns ein Beispiel machen: Wenn Sie Fehler in einem Software-Produkt beheben möchten, können Sie z.B. die folgenden groben Schritte durchführen: Analyse – Umsetzung  –  Test – Veröffentlichung. Das  Team, das die Fehler analysiert, kann allerdings nur eine kleine Menge an Fehlern gleichzeitig abarbeiten.  Sollte das Team mehr als, sagen wir 2 oder 3 Fehler auf einmal bearbeiten, dann tritt das sog. schlechte Multitasking auf. Das Team ist überlastet und verliert deutlich an Effizienz. Deshalb wird in diesem Beispiel das maximale Arbeitsvolumen auf die gleichzeitige Bearbeitung von 3 Fehlern begrenzt und auf der Kanbantafel entsprechend visualisiert. Käme ein weiterer Fehler hinzu, wird dieser neue Fehler zunächst nicht berücksichtigt. Erst wenn sich die Gesamtzahl der Fehler von drei auf zwei reduziert hat, wird der wartende Fehler ins System zur Abarbeitung aufgenommen.

Meine persönlichen Erfahrungen

Verwenden sie Kanban und Kanbantafeln, wenn sie sicherstellen wollen, dass schlechtes Multitasking nicht auftritt. Das Multitasking wird durch die strikte Begrenzung des Arbeitsvolumens auf ein Minimum reduziert. Kanban ist dann besonders erfolgreich, wenn es in einem Umfeld genutzt wird, das von äußeren Einflüssen stark tangiert wird. Normale Planungssysteme kommen hier schnell an ihre Grenzen.

Vielleicht auch interessant für Sie...