Keynote „Light my fire!“

Keynote „Light my fire!“

Business-Expertenforum am 23.04.2016 in Fürstenfeldbruck.

„Kann das woran Sie arbeiten die Welt verändern?“ Diese Frage stammt von Larry Page, einem der Gründer von Google. Er fügte hinzu: In 99,99999 % aller Fälle lautet die Antwort leider: Nein. Zu häufig ist es doch so, dass wir vom Tagesgeschäft aufgefressen werden und gar nicht mehr an große Ergebnisse glauben, weil wir nur noch daran denken können, was denn als nächstes auf uns zukommt. Was muss ich denn heute tun? Was muss ich denn morgen tun?

Dann kommt das Thema Stress auf. Hatten Sie in den letzten 12 Monaten überhaupt keinen Stress? (Lachen) Bitte mal eine kurze Handmeldung? Überschaubar. Wer hatte denn ein moderates level an Stress? Da wird es schon mehr. Wer hatte denn so richtig, richtig viel Stress bis unter die Decke? Großartig, ich auch. Glauben Sie, dass Stress Ihrer Gesundheit schadet? (Ja)

Jetzt wird es interessant. Vor 9 Jahren wurde in den USA einer der größten Studien zum Thema Stress abgeschlossen. Teilnehmer waren 30.000 Erwachsene. Den Teilnehmern wurden die gleichen Frage gestellt, die ich auch Ihnen gerade gestellt habe. „Wie hoch war ich Stresslevel in den letzten 12 Monaten?“ und „Glauben Sie, dass Stress Ihrer Gesundheit schadet?“ Dann haben die Forscher abgewartet – 2 Jahre lang. Danach haben sie die öffentlichen Sterberegister geprüft und analysiert ob es einen Zusammenhang zwischen Stress und einer erhöhten Sterbewahrscheinlichkeit. Es kam, wie es kommen musste: Wer viel Stress hatte, hatte ein um 43% erhöhtes Risiko frühzeitig zu sterben. Aber das ist dann und nur dann der Fall, wenn Sie gleichzeitig auch daran glauben, dass Streß der Gesundheit schadet. Teilnehmer der Studie die nicht an diesen Zusammenhang glaubten, hatten auch kein erhöhtes Sterberisiko. Die Entscheidung, ob Sie glauben, dass Stress Ihrer Gesundheit schadet, kann Ihre Lebenszeit in diesem Moment um mehrere Jahre verlängern! (Lachen). Hochgerechnet bedeutet das, dass jährlich weltweit ca. 500.000 Menschen nicht an Stress sondern am Glauben daran, dass Stress ihrer Gesundheit schadet. Sind Sie jetzt bereit dazu, mal ein bisschen genauer hinzuschauen wie Stress eigentlich funktioniert? (Lachen) Wunderbar!

In einer Stresssituation finden hintereinander 3 separate Stressphasen statt. Als erstes wird schlagartig Adrenalin in Ihrem Körper ausgeschüttet. Adrenalin ist ein Botenstoff, der in Ihrer Nebenniere produziert wird. Adrenalin sorgt dafür, dass Sie schlagartig alle Energien mobilisieren können. Der Puls steigt, der Blutdruck geht in die Höhe, und Sie sind bereit: Flucht oder Kampf? Das Problem dabei ist: Dieser Ablauf hat über Zehntausende von Jahren gut funktioniert, doch in modernen Unternehmen gibt es (ungeschriebene) Unternehmensregeln. Eine dieser Regeln lautet: „Jeder Mitarbeiter muss immer zu 100 % ausgelastet sein.“) Wenn man beides zusammen nimmt: Sie stehen zum einen voll unter Adrenalin und Sie wollen richtig etwas wegschaffen und gleichzeitig gibt es die Unternehmensregel, dass Sie voll ausgelastet sein müssen, dann kommen Sie in die gleiche Situation wie ein Hamster im Hamsterrad. Von innen sieht das ja aus wie eine ganz besonders steile Karriereleiter. (Lachen) Der negative Effekt von Adrenalin ist, dass Ihr Körper heiß läuft. Adrenalin ist ein Botenstoff, der Entzündungsprozesse in Ihrem Körper anstößt. Der Körper ist nicht ganz dumm und er hat dafür ein zweites Hormon: Cortisol. Cortisol ist ein natürlicher Entzündungshemmer und Cortisol sorgt dafür, dass Sie Ihr Energielevel ein Stück weit herabsenken. Nicht zu weit, sondern gerade so weit, dass Sie konzentriert denken können. Versuchen Sie mal unter Adrenalin vernünftig und klar zu denken. Das geht erst in dieser zweiten Phase. In dieser zweiten Phase sind Sie bereit, neue Projekte in Angriff zu nehmen. Doch durch die erste Adrenalinphase hat sich ein negativer Effekt ergeben. Wenn Mitarbeiter zu 100 % ausgelastet sein sollen, dann tritt ein Effekt auf, den Sie vielleicht von der Supermarktkasse kennen: Es bilden sich Schlangen. Denn nur dann wenn sich eine Schlange bildet ist sichergestellt, dass die Supermarktkasse ständig zu 100 % ausgelastet ist. Ich bitte jetzt mal die ersten 4 Personen in der ersten Reihe kurz aufzustehen. So lang ist die Warteschlange an der Supermarktkasse – aber auch die Warteschlange Ihrer Projekte und Kundenaufträge – wenn Sie zu 80 % ausgelastet sind. Als nächstes bitte ich die nächsten 5 Personen aufzustehen. Jetzt sind wir bei einer Auslastung von 90 %. Nun stehen Sie bitte einmal alle auf. So lang ist die Warteschlange, wenn Sie zu 98% ausgelastet sind. Doch denken Sie mal an Ihr Unternehmen, da werden ja nicht 98% gefordert sondern 100% und „Geh noch mal die Extrameile!“ Das führt dazu, dass Sie einem neu ankommenden Kunden sagen müssen: „Lieber Kunde, stellen Sie sich bitte ganz hinten an, Platz Nummer 99 ist noch frei“. Was sagt dann der Kunde? „Ich gehe zur Konkurrenz“ Und was werden Sie dann sagen? „Da ist schon was zu machen, lassen Sie uns doch erst mal das Projekt starten, wir finden schon einen Weg.“ Plötzlich sind Sie in der Situation, dass Sie ganz viele Bälle bzw. Projekte gleichzeitig in der Luft halten müssen. Das wird dann richtig schwer… Cortisol hilft dabei, diese vielen Bälle konzentriert in der Luft zu behalten, aber auch Cortisol stößt irgendwann an seine Grenzen. Ein langristig hoher Cortisolspiegel führt ebenfalls wieder zu negativen Effekten, oft zu Angst- und Schlafstörungen. Dafür gibt es ein drittes Hormon: Oxytocin. Wer hat schon einmal etwas von dem Hormon Oxytocin gehört? Wer kennt denn den Spitznamen dieses Hormons? („Bindungs- / Kuschelhormon“) Das Kuschelhormon! Das Kuschelhormon sorgt dafür, dass wenn Sie eine Aufgabe nicht selber lösen können, dass Sie dann Ihre Kollegen fragen. Das Kuschelhormon sorgt dafür, dass Teams miteinander verbunden sind. In vielen modernen Unternehmen gibt es nun wieder eine Unternehmensregel die dafür sorgt, dass dieses Kuschelhormon nicht mehr korrekt funktioniert. Nämlich die lokale Bewertung von Ergebnissen, die dafür sorgt dass es nicht mehr um die gemeinschaftliche Zielerreichung geht sondern um Isolation: „Du bist Schuld!“

Diese Situationen und negativen Unternehmensregeln treten häufig in Organisationen auf und die Frage lautet: Wie kommen wir da wieder raus?

Ein Beispiel aus der Chirurgie. Zwei Paare wollen sich nach langer Zeit mal wieder treffen und ein gemeinsamen Ausflug durchführen. Sie sind mit ihren Mofas unterwegs und freuen sich schon sehr auf ein gemeinsames Picknick im Grünen. Sie stehen vor einer Ampel, plötzlich kommt ein Auto von hinten und rast mitten in die Gruppe hinein. Zwei der beiden sind nur leicht verletzt und können noch schnell Hilfe holen. Aber die beiden anderen sind schwer verletzt. Der eintreffende Notarzt muss sich die Frage stellen: „Wem der beiden soll ich zuerst helfen?“ Er muss eine schnelle und harte Entscheidung treffen, denn es gibt im nächsten Krankenhaus nur einen Chirurgen, nur einen Operationssaal, und es gibt nur ein eingespieltes OP-Team. Würde die Energie auf zwei Patienten verteilt werden, so wäre niemandem geholfen. Beide Patienten wären einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Deswegen ist es wichtig erst einmal die klare Entscheidung zu treffen, wer als erstes dran kommt. Sobald der Patient dann im OP ist, ist das OP-Team komplett gegen äußere Einflüsse geschützt. Sie können sich voll auf diesen einen Patienten konzentrieren und sind nicht mehr abhängig von der Außenwelt. Sie denken während der Operation auch nicht an die anderen Verletzten, denn das würde diesem einen Patienten nur schaden.

Diese Vorgehensweise aus der Chirurgie können auch Sie für Ihr Tagesgeschäft nutzen. Wenden Sie dieses dreiphase Modell selber an. Im normalen Business haben Sie typischerweise morgens schon eine prall gefüllte Todo-Liste. Meine Empfehlung ist: Erstellen Sie stattdessen eine Not-To-Do-Liste und führen Sie dort konkret alle Aufgaben auf, die Sie nicht erledigen werden. Nehmen Sie konkret Arbeitslast aus Ihrem Tag heraus um damit Platz zu schaffen für das Wesentliche, was Sie wirklich tun wollen. Arbeiten Sie dann konzentriert, unterbrechungsfrei, und geschützt an genau diesen wesentlichen Aufgaben. Im dritten Schritt haben Sie auf einmal Energie, um Großes zu leisten. Groß zu denken ist genauso anstrengend wie klein zu denken – also denken Sie lieber gleich groß!

Eine Geschichte hat mich in der letzten Woche noch stark beeinflusst und ist mir sehr nahe gegangen. Es ging um die Umsetzung des Konzepts „Light my fire!“ ging. Thorben ist ein 9-jähriger Junge, der bei meiner Frau in der Schule in die 3. Klasse geht. Thorben ist von zwei Dingen begeistert: Schnell Autos und die Natur. Das klingt ja erst einmal nach einem richtig schönen Widerspruch… Sein Held ist Elon Musk von Tesla. Tesla Motors baut Elektroautos, die die Welt revolutionieren sollen. Thorben saugt alle Informationen auf, die es zu Tesla Motors gibt. Er verliert so langsam auch einige seiner Freunde, weil Nachmittags die lieber Fußball spielen als sich mit Detailfragen eines Autos zu beschäftigen. Doch Thorben hält an seinem Ziel fest, er möchte auf jeden Fall, dass Elekroautos noch besser werden. Eines Tages sieht er seine große Chance gekommen: Er bekommt in der Schule eine Aufgabe. Die Klasse soll Referate zu frei wählbaren Themen halten. Thorben meldet sich sofort mit dem Referat-Titel „Der große Vorteil elektrogetriebener Autos gegenüber dem Verbrennungsmotor“ (Lachen) Auch da gibt es natürlich Widerspruch, die Lehrerin fragt ihn, ob er sich nicht lieber ein spannenderes Thema aussuchen möchte. Doch Thorben hält an seinem Ziel fest. Er setzt sogar noch einen oben drauf. Er sagt: „Ich will das nicht nur aus Büchern lernen. Ich will es erleben! Ich will selber einen Tesla fahren.“ Seine Mutter ist die Einzige, die an ihn glaubt. Ihr vertraut er an: „Ich möchte selber einen Tesla fahren. Was muss ich dafür tun?“ Die Mutter antwortet ihm: „Geh zum nächsten Tesla-Händler und frage ihn nach einer Probefahrt.“ Sie sagt ihm nicht, dass sie das Ganze für eine verrückte Idee hält. Sie nimmt ihm auch nicht den Hörer aus der Hand und ruft für ihn beim Tesla-Händler an. Sondern sie bringt ihm Zuspruch indem sie ihm sagt „Du bist der Einzige, der das hinbekommen kann. Weil Du die Begeisterung hast.“ Thorben ruft tatsächlich beim Tesla-Händler an. Er schafft es in einem langen Gespräch tatsächlich den Tesla-Händler von einer Probefahrt zu überzeugen. Zwar nur auf dem Beifahrersitz – das war noch nicht ganz das, was er sich erträumt hat (Lachen) – aber die Genugtuung mit einem nagelneuen Tesla Model S am Fußballplatz vorbeizufahren (Lachen) und den Freunden zuzuwinken, das hat sich gelohnt.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie die gleiche Begeisterung wie Thorben auch in Ihren Alltag mitnehmen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie es schaffen, Last aus Ihrem Alltag zu nehmen. Konkret: Durch die Not-To-Do-Liste schaffen Sie sich Freiräume für den nächsten Schritt. Der nächste Schritt lautet: Zielklarheit, Fokussierung, Konzentration auf eine Aufgabe und diese unterbrechungsfrei durchführen. Wenn Sie diese beiden Schritte erfolgreich durchgeführt haben, dann wünsche ich Ihnen, dass der große dritte Schritt kommt, Lebensträume und -Visionen ernst zu nehmen und auszuleben. Damit auch Sie die Frage positiv beantworten können: „Kann das woran Sie arbeiten die Welt verändern?“

(Applaus)

Vielen Dank, Frank Lange, für den tollen Vortrag. Sie führen auch Inhouse-Seminare durch, sind bei vielen Firmenveranstaltungen vor Ort und man kann Sie auch buchen? Genau. Typischerweise kommt es nach Vorträgen häufig vor, dass Zuhörer auf mich zukommen und mir sagen: „Super Idee, das würde ich auch gerne machen, aber erzählen Sie das doch lieber mal meinem Chef. Weil: In unserem Unternehmen ist das ja alles gar nicht möglich. Gerade das ist jedoch für mich die interessante Frage: Wie kann man nicht nur einzelne Menschen dabei unterstützen diesen Weg zu gehen, sondern Last auch aus gesamten Unternehmen herauszunehmen, damit auch diese sich entwickeln können zu einem echten Ziel, zu einer echten Vision. Vielen Dank für diesen Vortrag: Frank Lange.

(Applaus)

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