Keynote-Transkription 10

Die Hamster-Flatrate

Entscheiden sah vorher so aus, dass der Projektleiter auf Biegen und Brechen versuchte seine persönlichen (Projekt-)Ziele zu erreichen. Das Ziel ist es, gute Entscheidungen treffen, aber in Ruhe.

Leben Sie noch in der Kostenwelt? Auch wieder so eine provokante Frage. Wenn wir festgestellt haben am Anfang das Wichtigste ist nicht Projekte besonders billig hinzubekommen sondern besonders schnell, dann ist die Frage wie können wir uns auch darauf wieder konzentrieren? Wer kennt das Konzept des Cost of Delay?

((Ich kenne nicht das Konzept, aber den Schmerz.))

(Dann sind Sie Profi. Und der Schmerz ist heftig, oder?)

Cost of Delay kann man tatsächlich betrachten und es sieht dann so aus, wenn ein Projekt sich verzögert um einen gewissen Zeitraum, wieviel kostet uns das eigentlich im Markt? Das kann man relativ einfach berechnen wenn man eine ordentliche Deckungsbeitragsrechnung hat, dann rechnet man den Deckungsbeitrag des Projekts runter auf einen Tag. Ich erkläre gleich warum ein Tag eine sehr gute Einheit ist. Gleichzeitig schaut man, was die Entwicklung in einem Tag kostet. Und in der Regel – in der Regel – ist bei den Verzugskosten mal mindestens eine Null mehr hinten dran. Das rechnet sich richtig. Was auch noch super ist: Mit so einer Zahl zum Entwicklungsteam zu gehen und ihnen zu sagen: Wisst ihr überhaupt was es uns kostet, wenn ihr hinten dran seid? Wisst ihr auf der anderen Seite, was ihr dem Unternehmen bringen könnt, wenn ihr schneller seid?

Ein kleines Beispiel aus der Praxis. Ich war grade bei einem Medizintechnik-Hersteller, der hatte auf der kritischen Kette immer die Biokompatibilitätsprüfung. Dort muss man bei den fertigen Produkten am Ende noch einmal prüfen ob sie biokompatibel sind. Sobald das Projekt an diesem Task angelangt ist, wurden Hamster bestellt an denen diese Biokompatibilitätsprüfungen durchgeführt wurden. Das heißt Du wurden wirklich genau zu dem Zeitpunkt bestellt. Der Zulieferer hat genau dann damit angefangen, diese Hamster zu züchten – das muss man sich mal reintun. Und dann hat das 6-8 Wochen gedauert bis man den Biokompatibilitätstest machen konnte. Es hat ein wenig gedauert, das überhaupt bei dem Kunden erst einmal rauszufinden, dass das Thema überhaupt da war. Und dann viel es dem Kunden natürlich wie Schuppen von den Augen und die Lösung ist letztendlich: Der Kunde hat jetzt eine Hamster-Flatrate, da kommen täglich automatisch frische Hamster an und was nicht gebraucht wird, darüber freut sich der örtliche Kindergarten. Das ist Win-Win-Win: Projekt beschleunigt, der Zulieferer hat eine gute Auslastung, und: leuchtende Kinderaugen!

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