Keynote-Transkription 16

Kolloquium

((Darf ich eine Frage stellen? (Ja immer) Ich erlebe das immer wieder, das ist alles richtig und so, aber das Problem ist irgendwo muss zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer ein Vertrag geschlossen werden. Gibt es irgendwelche Erfahrungen darüber wie man dieses Ändern von Anforderungen vertraglich auf die Reihe kriegen könnte, so dass jeder davon einen Gewinn hat. Weil Auftragnehmer versuchen ja zu verhindern, dass sie überlastet werden durch ständig wechselnde Anforderungen.))

(Boris Gloger beschäftigt sich sehr stark mit genau dieser Fragestellung. Agiler Festpreis geht in diese Richtung. Ich glaube auch nicht, dass es ein Fehler ist zu dokumentieren, was man gemeinsam mit dem Kunden erreichen will. Aber noch wichtiger ist das Vertrauensverhältnis, dass man nachher auch ein richtiges Ergebnis bekommt und das man die Dokumente die dafür notwendig sind so spät wie möglich erzeugt. Wenn ich mir zum Beispiel die AAMI TIR 45 anschaue oder auch die entsprechenden europäischen Normen die sagen ja nicht, dass ein Pflichtenheft schon ein halbes Jahr vor der Implementierung vorhanden sein muss. Die Normen sagen lediglich „vor der Entwicklung“. Im Extremfall mache ich das also eine halbe Stunde vorher. Dann ist das Dokument da, dann arbeite ich danach, mache direkt danach einen Feedbackzyklus – passt! Es geht nicht darum die Normen auszuhebeln, sondern es geht darum sie richtig zu interpretieren und sowohl die Normen zu erfüllen als auch schnell zu sein. Die Normen müssen wir erfüllen, dafür sind wir in der Medizintechnik oder im Automotiv-Bereich. Sonst könnten wir dort nicht bestehen. Passt das erstmal als Antwort?)

((Ich komme nachher noch mal auf Sie zu.))

((Ich habe noch eine andere, etwas disruptive Idee. Das wird noch nicht angewendet aber dass versuchen wir einzuführen. Das man wirklich eben auch Kundenfeedback sich zu holen und danach auch entlohnt zu werden. Also fragen: Fandest Du das jetzt gut? zwischen 0 und 10. Und bei den Zulagen kriegt man dann eben nur 80% des vereinfachten Preises. Das ist ein bisschen radikal, aber letztendlich ist es genau das wo wir hinwollen.))

(Da müssen wir uns dann nachher noch drüber unterhalten, superspannendes Konzept. Das ist letztendlich auch ein Feedback über solche Themen wie Vertrauen über Unternehmensgrenzen hinweg. Und das ist eine superspannende Sache zu der wir jetzt noch kommen. Nämlich: Regeln brechen – falls keine Fragen mehr sind.)

((Ich habe noch eine kleine Frage und zwar: Kundenfeedback, Fail fast, extrem wichtig, keine Frage. Nur ist das in der Medizintechnik wahrscheinlich oftmals ein Problem, dass oft nicht alle Dinge immer am Kunden ausprobiert werden können. Also bei so einem Herzschrittmacher stelle ich mir das schwierig vor. Wie gehen Sie mit solchen Sachen um, wie gehen Sie auch mit gesetzlichen Regularien um, die Ihnen verbieten Kundenfeedback früh einzuholen?))

(Das ist eine persönliche Antwort die ich Ihnen darauf geben möchte. Da wo die Regulatorien klar etwas einfordern, da halte ich mich dran. Ich werde natürlich schauen – also bleiben wir mal bei dem Beispiel Herzschrittmacher, in der Notfallmedizin kenne ich mich ein bisschen aus. Defibrilatoren habe ich mitentwickelt, das geht ja so in Ihre Richtung. Da kann man nicht einfach mal sagen im Testteam: Wer hat Lust heute zu testen. (LACHEN) Das ist dann tatsächlich auch schwierig, wo holt man sich dann das Feedback. Ich glaube, dass es viele Bereiche gibt wo es einfacher ist, zum Beispiel alles wo es um Usability geht, um Fragestellungen was genau die Anforderungen sind, wo man etwas in genauen Zahlen darstellen kann. Aber gerade wenn es in disruptive Bereiche reingeht, wo man wirklich etwas komplett Neues machen will und es gleichzeitig nicht testen darf, dann befindet man sich in einem Dilemma von dem ich ehrlich sagen muss: Das habe ich noch nicht gelöst. ((Wir auch noch nicht.)) Das finde ich dann allerdings das interessante hier auf der Konferenz auch ins Gespräch zu kommen über die Fragen: Wer hat denn so etwas schon einmal gelöst? Wer hat denn Ideen? Und wie können wir es gemeinsam lösen? Ich glaube nicht, dass das etwas ist was ein Unternehmen alleine lösen wird.

((Herr Lange, haben Sie denn den sprechenden Defi entwickelt?))

(Sprechend? Nein, das war der Defi bei WEINMANN.)

((Schade, sonst hätte ich Ihnen jetzt den Orden meiner Frau verliehen, die sagte „Oh, wie cool ist das denn?“ Wir hatten einen Defi in einer Schulung für Kinderärzte und dann fing das Ding eben an zu reden: „So, jetzt bleiben Sie mal ganz ruhig, checken Sie mal hier die Lage“ Das war total super. Warum macht man so etwas nicht gleich? Warum muss man erst mal ein Handbuch lesen, wenn man grad vor einer halbtoten Person steht.))

(Das ist ja interessant, weil da hat sich Jemand wirklich Gedanken darüber gemacht, wer ist denn eigentlich unser Kunde? Und er oder sie hat wahrscheinlich eine Entscheidung getroffen: Der Kunde ist vielleicht nicht der High-Sophisticated Professor in der Klinik, sondern dass ist Jemand der vielleicht auf der Straße zufällig bei einem Autounfall vorbei kommt und der einfach Angst davor hat, einen schwerwiegenden Fehler zu machen. Da hat man dann plötzlich komplett andere Anforderungen. Das ist wirklich auch ein sehr interessanter Punkt, wie kann man das runterdeklinieren von der Kundensicht und dafür muss man erst einmal Klarheit haben darüber, wer überhaupt der Kunde ist. Jetzt mal eine kurze Zwischenfrage an Sie: Wie liegen wir eigentlich in der Zeit? Ich habe keine Uhr auf die ich schauen kann. ((Viertel Stunde)) Eine viertel Stunde ist rum oder haben wir noch? ((LACHEN)) Ich habe komplett das Zeitgefühl verloren… ((LACHEN. Es ist 9:46. Ja wir haben sogar noch mehr, bis 10:10 haben Sie Zeit, das sind noch 25 Minuten.)) Ach, ich will Sie ja nicht um Ihre Kaffeepause bringen. ((Ne, die Kaffeepause fängt um 10:10 an.)) Alles klar.)

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