Keynote-Transkription 18

Regeln brechen

Kommen wir jetzt zum dritten Teil. Sie haben es gerade schon gesogen, wir sind jetzt also im Pull-Modus. Wie geht man denn nun mit Disruptionen um, wie geht man mit Veränderungen auf der Kundenebene um. Da ist das Thema Regeln brechen ganz wichtig. Jetzt kommen wir eben aus einem Bereich wo es hieß: Regeln einhalten, schnelles Feedback holen, frühes Scheitern – also sehr sicherheitsorientiert. Das ist jetzt also der Bereich, der den ganzen Lösungsraum auch wieder sehr weit aufmacht. Das erste ist: Exponentielles Denken, weg vom linearen Denken. Das zweite ist die Frage der Systemgrenzen, was ist eigentlich das betrachtete System? Bin ich als Einzelperson unterwegs, als Team, als Unternehmen unterwegs. Der dritte Punkt ist die Wissensexplosion die zur Zeit in allen Bereichen der Technologie stattfindet und wie wir sie nutzen können in unseren Branchen.

Exponentielles Denken. Wer kennt diese ganzen Gegenstände hier auf dem Bild noch? Das ist schon 20 Jahre her, so sah das früher aus. Heute greifen Sie in Ihre Tasche ziehen ihr Smartphone raus und sie haben alles drin – bis auf den Fön. ((LACHEN)) Es ist Wahnsinn, was sich in diesen 20 Jahren getan hat. Sie hatten früher einen kompletten Raum voll mit einem Großrechner und heute haben Sie die gleiche Funktionalität und mehr in der Hosentasche. Warum ist das so? Denken Sie nicht in 10%-Schritten sondern denken Sie in Faktor-10. Verlassen Sie Ihre Komfortzone und akzeptieren Sie, dass das was in den letzten 20 Jahren im Elektronikbereich passiert ist, in den nächsten 10 Jahren noch mal in ähnlicher Form abspielen wird im Medizintechnik-Bereich und im Automotiv-Sektor.

Wem sagt das Mooresche Gesetz etwas? Sie kennen es. Gordon Moore ist Mitbegründer von Intel und hat Anfang der 1960er Jahre festgestellt: Wir sind ja ganz schön flott unterwegs. Wir haben Transistoren-Entwicklungen die verdoppeln ihre Leistungsfähigkeit etwa alle 18 Monate. Das hat er dann ein paar Jahre lang beobachtet, erst im stillen Kämmerlein, 1965 hat er dann ein Paper dazu veröffentlicht. In diesem Paper hat er vermutet: Das ist ein echtes Gesetzt was dahinter steckt und das wird noch mindestens 5 oder 10 Jahre so weitergehen. Das war hier in den 1960er Jahre bei den Transistoren. Danach kamen Integrated Circuits, ICs. Es haben sich auch mal Menschen die Mühe gemacht nachzuprüfen, was war denn davor? Wie sah es denn mit Relais und Lochkarten aus? Und sie fanden das gleiche exponentielle Wachstum. Diese Grafik ist von Ray Kurzweil. Ray Kurzweil hat eine komplette Universität aufgebaut, die sich mit exponentiellem Denken beschäftigt. Er geht so weit, dass er sagt: Dieses exponentielle Wachstum wird noch sehr lange so weiter gehen, weil die physikalischen Grenzen noch längst nicht erreicht sind. Prinzipiell ist es möglich, Informationen auf Atomebene zu speichern und zu verarbeiten bis runter zur Nutzbarmachung von Quanteneffekten. Der Physiker Richard Feynmann sagte bereits 1959 die Nanotechnologie voraus mit seinem Zitat: There is plenty of room at the bottom.

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