Keynote-Transkription 2

Diagnose

Nochmal weiter gedacht: Wenn man eine späte Markteinführung hat, dann ist man nicht mehr der Erste im Markt. Dann ist Innovation eine Farce. Dann ist man Me-to-Anbieter und kann nicht mehr das erreichen, was man sich eigentlich vorgestellt hat.

Me-too-Anbieter zu sein ist noch nicht einmal das Schlimmste, denn das nächste was passiert: Es fehlt das Geld. Man kann nicht mehr Innovationsführer werden, man kann nicht mehr Qualitätsführer werden, was bleibt dann übrig? Man orientiert sich daran: Wie können wir möglichst billig werden? Dann ist man in einem Segment drin, wo man eigentlich gar nicht hin will. Diese finanzielle Enge führt letztendlich dazu, dass dann auf Vorstandsebene entschieden wird: Wir müssen ja irgendwoher schauen, dass wir unser Geld bekommen, also machen wir alles was irgendwie möglich ist. Und das heißt Aktionismus. Das ist wiederum genau das, was die Mitarbeiter auch spüren: Da kommt ja immer wieder etwas Neues rein. Da kommen immer wieder neue Ideen rein, die nicht zu Ende geführt werden.

Das Schlimmste ist: Das Ganze fundamentalisiert sich in Gefühlen. Und das Basisgefühl dazu ist: Angst. Das kam in dem Workshop ganz klar raus. Und jetzt sind wir ja alle Menschen. Boris Gloger hatte gestern etwas darüber erzählt, über verschiedene Hormone wie Oxytocin und wie verschiedene Menschen reagieren. Und Menschen reagieren unterschiedlich auf Angst: Flucht, Kampf, oder Totstellen. Flucht sieht man sehr häufig in diesem Bereich links unten: Die Mitarbeiter wandern ab. Und häufig die Besten zuerst. Kampf ist das nächste. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen auf Gefühle treffen wie Wut: Wut ist Angst. Wut ist eine Ausprägung davon, dass man nicht mehr zurecht kommt mit dem, was man eigentlich erreichen möchte und es dann über Aggressionen versucht. Das verstärkt dann noch einmal stark diesen Kreislauf bezüglich einer Überlastung und einem Silodenken. Man schottet sich gegeneinander ab. Das letzte ist Totstellen: Wir haben das schon immer so gemacht, und wir machen das auch immer so weiter. In Köln sagt man dazu: „Et is wie et is, et kütt wie et kütt und et is noch immer jot jejange.“ Das ist natürlich Unsinn.

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