Kundennutzen optimieren in 7 Minuten: Agile Scrum und das Paretoprinzip

Kundennutzen optimieren in 7 Minuten: Agile Scrum und das Paretoprinzip

„Der Kunde ist König.“ Wie oft haben Sie diesen Satz schon gehört in Ihrem Berufsleben und sich dabei gefragt: Stimmt das wirklich? Oder stehen nicht wir selber und unsere veralteten Entwicklungsmethoden und Glaubenssätze viel zu häufig im Mittelpunkt?


Was müssen Unternehmen tun, um in immer umkämpfteren Märkten Markführerschaften zu erhalten oder auszubauen? In den meisten innovativen Märkten wird echter Kundennutzen mittlerweile hauptsächlich durch Projekte erzeugt. In Projekten zählen Kosten, Termine und Qualität. Gleichzeitig müssen wir auch noch aufpassen, dass die Riskien nicht zu groß werden und sie beherrschen. Je besser es Unternehmen schaffen, ihre Projekte zu managen, um so besser sind sie auch darin echten Kundennutzen zu schaffen. Und zwar in der dafür veranschlagten Zeit.

Lineares Denken hat ausgedient

Wie in vielen anderen Bereichen denken wir auch hier meist linear. Wir gehen davon aus, dass sich der Kundennutzen proportional zur verwendeten Zeit erhöht. Doch ist diese Annahme wirklich richtig? Denken wir speziell in der Medizintechnik an die Verwendung des Wasserfall-Modells oder des V-Modells. In diesen Modellen werden zu Beginn des Projektes erst einmal die Anforderungen geklärt und immer weiter herunter gebrochen, bis man irgendwann in die Umsetzung gelangt und später auf der anderen Seite des V-Modells wird jede dieser Ebenen wieder getestet. Und geprüft, ob das, was ursprünglich geplant war, auch dem entspricht, was nachher beim Projektende auch wirklich herausgekommen ist. Den reellen Verlauf des Projekts kennen jedoch viele von uns aus leidvoller Erfahrung. Denn der Kundennutzen wächst in solchen Modellen mitnichten linear. Stattdessen ist im V-Modell erst einmal über einen langen Zeitraum hinweg kein Kundennutzen ersichtlich. Erst ganz zum Schluss, wenn die Abnahme stattfindet, dann kann dieser Kundennutzen realisiert werden. Das Projekt wird getestet, abgeschlossen, freigegeben, und erst dann kann der Kunde wirklich etwas mit dem Produkt anfangen.

Wir wissen nicht, was wir nicht wissen

Ein zusätzliches Problem ist, dass wir den Kundennutzen in der Regel zu Beginn des Projekts noch gar nicht wirklich kennen und einschätzen können. Wir entwickeln also in eine Richtung, die gegebenenfalls sogar die falsche Richtung ist. Der zusätzliche Effekt, der dabei auftritt ist, dass der Kundennutzen am Ende geringer ist als der, den wir eigentlich angenommen haben. Das sieht dann so aus, dass der Kundennutzen am Ende des Projekts sogar abfällt.

Der Kunde ist König – er allein kennt sein Problem

Wie müssen wir anders vorgehen, um einen deutlich höheren Kundennutzen erzeugen zu können und um das Risiko einer Fehlentwicklung zu vermeiden? Indem wir uns gleich zu Beginn mit dem Kunden zusammen setzen und ihn fragen: Lieber Kunde, von den vielen Aufgaben, die im Projekt umgesetzt werden sollen, welche sind die wirklich wichtigen? Welche geben Dir den höchsten Wert?

Pareto – Fokus auf das Wesentliche

Diese Frage erlaubt es uns, die rote Kurve komplett auf den Kopf zu stellen. Wir können nämlich nun die wichtigsten Aufgaben an den Anfang des Projektes stellen und somit den höchsten Kundennutzen direkt zu Beginn des Projektes erzeugen. Diese Vorgehensweise nennt sich auch Pareto-Priorisierung. Das Pareto-Prinzip sagt aus, dass Sie in 20 % Ihrer Zeit bereits 80 % Ihrer Ergebnisse erzielen können. Das gilt sowohl im Kleinen als auch in großen Aufgaben wie einem kompletten Projekt.

Feedback nutzen – fail fast

Ein weiterer Vorteil: Wir können nun direkt mit dem Kunden in Feedback-Schleifen eintreten und den Kundennutzen speziell am Anfang deutlich in die Höhe schrauben, indem Fehler frühzeitig erkannt und behoben werden. Dieses Prinzip nennt sich auch „Fail fast“. Natürlich macht keiner von uns gerne Fehler, aber wenn wir schon wissen, dass wir nicht alles wissen von den kommenden Anforderungen – dann ist es doch am besten wir machen diese Fehler so früh wie möglich und erzielen noch einen Nutzen daraus, indem uns diese Fehler dabei helfen, dass wir uns in die richtige Richtung entwickeln.

Pareto reloaded 3.0

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Geht es nicht noch besser? Denn wenn wir in 20 % der Zeit schon 80 % der Ergebnisse erzielen können: Können wir dieses Prinzip nicht mehrfach hintereinander anwenden? Können wir nicht nach 20 % der Zeit sagen: Wir nehmen dieses Ergebnis und wenden danach Pareto noch ein zweites mal an? Und nach einer gewissen Zeit noch ein drittes mal? Und nutzen jedes mal wieder die positiven Feedbackschleifen, um uns noch weiter zu entwickeln?

Die agile Reise startet…

Wenn wir dieses Prinzip zu Ende denken, dann sind wir vom V-Modell und der Wasserfall Methode bei Scrum angelangt – der Entwicklungs Methode, die Projekte um Faktoren beschleunigen kann. Indem sie Riskien nach vorne zieht. Indem sie ständige Feedback-Schleifen mit dem Kunden einfordert. Und indem sie über Sprints die Arbeit des Teams synchronisiert und die richtigen Bahnen lenkt.

Do twice the work in half the time…

Dabei stellen sich nun zwei sehr positive Effekte ein, die Jeff Sutherland, einer der Gründungsväter von Scrum, in seinem Buch „Scrum: The Art of doing twice the work in half the time“ beschrieben hat. Zum einen erzeugen wir nämlich einen deutlich höheren Kundennutzen, indem das Ergebnis des kompletten Projekts deutlich nach vorne gezogen wird – in unserem Fall auf das Ende des zweiten Sprints. Das heißt, der Kundennutzen hat sich nahezu verdoppelt. Und ein zweiter Effekt ist folgender: Dadurch dass die Teams sehr stark synchronisiert sind über die Sprints, lernen sie in kürzester Zeit sehr viel dazu und können dadurch eine deutlich höhere Leistung, eine deutlich höhere Velocity erzeugen, die dazu führt, dass die Projekte nochmals schneller werden. Vor allem, wenn diese Sprints iterativ hintereinander ausgeführt werden. Dann stellt man fest: Nach dem dritten bis vierten Sprint ist ein Team wirklich eingespielt und kann ab da enorme Beschleunigungen zeigen.

Blaue Pille oder rote Pille?

Wo möchten Sie also mit Ihren Projekten landen? Das Risiko eingehen erst sehr spät einen geringen Kundennutzen zu präsentieren – mit einem hohen Risiko, dass alles sich noch weiter verzögert? Oder wollen Sie bereits sehr früh im Projekt Ergebnisse liefern und gleichzeitig die ganze Zeit über eine Kundenbeziehung aufgebaut haben?

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Ich denke die Antwort ist einfach. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen wie Sie konkret agile Methoden wie Scrum oder Kanban auch in Ihrem Medizintechnik-Unternehmen einführen können, dann abonnieren Sie gleich jetzt meinen Youtube-Kanal. Jeden Montag gibt es neues Video zu Disruptionen in der Medizintechnik. Zu Methoden, Innovationen und Technologien die Ihnen dabei helfen Ihre Projekte um Faktoren zu beschleunigen.

Hinterlassen Sie auch gerne Ihre Kommentare zu diesem Beitrag. Wir können alle voneinander lernen und dabei die Disruptionen in der Medizintechnik noch weiter voranbringen, um das Leiden von Milliarden von Menschen in aller Welt auf ein Minimum zu reduzieren.

Ich freue mich, Sie im nächsten Video wieder zu sehen, bis dahin alles gute, Ihr Frank Lange.

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