Schlafapnoe in der Produkt-Entwicklung

Schlafapnoe - Atemstillstand in der ProduktentwicklungSchlafapnoe in der Produkt-Entwicklung

Menschen mit Übergewicht entwickeln häufig  Begleiterkrankungen, eine der bekanntesten ist das sogenannte obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Durch zu viel Fettgewebe im Rachenraum wird das nächtliche Atmen erschwert, es kommt zum Schnarchen und zu Atemaussetzern. Auf diese Atemstillstände reagiert der Körper mit einer Panikreaktion: Alle Systeme werden hochgefahren, um dem drohenden Erstickungstod zu entgehen, der Patient wacht kurzzeitig auf.

Der Patient bemerkt diese kurzen Aufweckreaktionen des Körpers – die sogenannten Arousals  – in der Regel nicht sofort. Am nächsten Tag jedoch zeigen sie deutliche Wirkung: Der Patient fühlt sich den ganzen Tag über müde und muss häufig dem Schlafzwang auch tagsüber nachgeben. Durch diesen Tagesschlaf sinkt gegen Abend der Einschlafdruck und an Einschlafen ist nur noch mit „Hilfsmitteln“ wie Schlaftabletten oder Alkohol zu denken. Dadurch schläft man zwar schnell ein, aber nicht mehr so tief durch. Es folgen noch mehr Aufweckreaktionen, ein Teufelskreis entsteht…

Atemstillstand in der Produktentwicklung

Auch ganze Unternehmen können an Übergewicht leiden. Zu viele Aufträge, zu viele parallele Projekte, zu viel Veränderungen gleichzeitig. In der Folge sind diese Unternehmen fett und träge geworden und leiden an Überlast. Keiner weiß mehr, welche Projekte denn nun wirklich wichtig sind, also macht sich jeder seine eigenen Regeln. Unterschiedliche Prioritäten zwischen Business-Units, Abteilungen und Teams führen zu Konflikten, Abschottungen und Silo-Denken. Spätestens wenn Teilprojekte dann integriert werden müssen, kommt es zum großen Knall – analog zu den Aufweckreaktionen beim Schlafapnoe-Patienten.

Durch die vielen „Arousals“ verlaufen Projekte holprig und verzögern sich. Ähnlich wie der Schlafapnoe-Patient nehmen Unternehmen diese negativen Symptome häufig kaum wahr. „Beim nächsten Projekt wird alles besser, wir müssen einfach härter arbeiten.“ Dementsprechend werden die nachfolgenden Projekte so früh wie möglich gestartet und es wird an guter Vorbereitung gespart. Projektleiter werden nur lokal an Hand ihres persönlichen Projekterfolgs bewertet, starten daher ihre Projekte noch früher und sichern sich so viele Ressourcen wie irgendwie machbar. Dies wirkt ähnlich wie Schlaftabletten oder Alkohol nur äußerst kurzfristig – schon bald führt dies zu noch mehr Überlast, noch mehr Ressourcenengpässen und einem noch extremeren Silodenken.

Vision Statement:
Wir stehen für höchste Qualität.

Projektverzögerungen werden oft im Nachhinein begründet mit der Notwendigkeit „höchster Qualität“. Doch Qualität muss bereits ab Projektstart gesichert werden, nicht erst im Nachhinein! Das ausschlaggebende Kriterium für erfolgreiche Unternehmen ist der Faktor Zeit. Und die größte Herausforderung besteht darin, dem Kunden so schnell wie möglich genau das zu liefern, was er wirklich braucht.

Qualität darf nicht als Ausrede für Projektverzögerungen missbraucht werden. Qualität ist heute eine Grundvoraussetzung um auf den meisten Märkten überhaupt mitspielen zu dürfen. Sie ist jedoch nicht ausreichend für echten Markterfolg. Dazu braucht es innovative neue Produktideen, die extrem schnell umgesetzt werden können. Wenn im Vision Statement eines Unternehmens ein Commitment zu höchster Qualität verankert ist und es gleichzeitig Aussagen von Mitarbeitern gibt „Wir sind nicht mehr wirklich innovativ“, dann hat dieses Unternehmen ein ernstzunehmendes Problem.

Welche weiteren negativen Effekte sich daraus ergeben erfahren Sie im nächsten Artikel Herzinsuffizienz im Vertrieb.

Die komplette Artikelserie finden Sie hier:

  1. Die größten Probleme der Medizintechnik
  2. Adipöse Unternehmen – träge durch Projektüberfluss
  3. Schlafapnoe in der Produktentwicklung
  4. Herzinsuffizienz im Vertrieb

 

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