Buchrezension „Scrum: The Art of Doing Twice the Work in Half the Time“

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Buchrezension

Jeff Sutherland ist als einer der Mitunterzeichner des agilen Manifests von Anfang bei der Entwicklung von Scrum dabei gewesen und hat maßgeblich zum Erfolg dieser agilen Methode im letzten Jahrzehnt beigetragen.

In seinem neuesten Buch „Scrum: The Art of Doing Twice the Work in Half the Time“ holt er Scrum aus der reinen Softwareentwicklung heraus und zeigt, wie Scrum in verschiedensten Bereichen eingesetzt werden kann – unter anderem auch Mechanik und Hardwareentwicklung. Die Medizintechnik wird explizit als ein Anwendungsgebiet mit enormem Potential genannt.

Was?

Zweimal so viel zu erreichen und das in der halben Zeit – bereits der Titel spielt darauf an, dass es zwei Dimensionen in Scrum gibt. Diese entfalten erst im Zusammenspiel ihr volles Potential. Zum einen gibt es die Dimension des „Was?“, für die der Product Owner zuständig ist. Durch eine saubere Klärung der Anforderungen, eine Pareto-Priorisierung mit konsequentem Weglassen von Überflüssigem, und schnellen Feedbackschleifen mit Kunden und Anwendern kann etwa doppelt so viel Nutzen erzeugt werden wie in klassischen Projekten mit Wasserfall-Ansätzen oder der Anwendung des V-Modells.

Wie?

Die zweite Dimension ist das „Wie?“ Hier steht das Team in der Verantwortung konsequent nur das umzusetzen, was vom Product Owner vorgegeben ist und einen klaren Kundennutzen bringt. Das Vermeiden von Gold Plating und das konsequente Anwenden von „You ain’t gonna need it“ gekoppelt mit laufender Refakturierung beschleunigen Projekte bereits enorm. Ein guter Scrum Master sorgt zu guter letzt dafür, dass sich das gesamte Team inkl. Product Owner an die Scrum-Regeln hält, aufkommende Probleme konsequent offenlegt, und die Abarbeitung des Impediment Backlogs genauso konsequent vorantreibt wie die Abarbeitung des Product Backlogs. Teambuilding ist ein weiterer wichtiger Punkt, da ein crossfunktionales Team deutlich mehr erreichen kann als eine einzelne Person.

Warum?

Beim Lesen kam mir eine Verknüpfung mit einem weiteren Buch in den Sinn: „Start With Why“ von Simon Sinek. Dort wird neben den beiden Dimensionen „Was?“ und „Wie?“ als dritte und wichtigste Dimension noch das „Warum?“ eingeführt. Laut Simon Sinek ist es Sinn und Zweck eines Unternehmens, Kundennutzen zu schaffen und nicht, Geld zu verdienen. Geld zu verdienen ist lediglich eine Folge aus der Schaffung von Kundennutzen. Erfolglose Unternehmen starten mit der Frage „Was?“, erfolgreiche Unternehmen mit der Frage „Warum?“ Insofern ergänzen sich diese beiden Bücher ideal, denn wenn jede dieser Dimensionen einen Faktor von 2 oder mehr mit sich bringt, dann ergibt sich insgesamt ein Faktor 10 – und damit wären wir wieder beim Moonshot Thinking.

Die realen Verbesserungen in Unternehmen nach Scrum-Einführungen liegen meist auch in diesen Dimensionen. Allerdings nur, wenn man es richtig macht. Jeff Sutherland hat dafür bereits vor einigen Jahren den Begriff der roten und der blauen Pille geprägt: Man kann Scrum richtig machen inklusive tiefgreifender Veränderungen in der gesamten Unternehmensstruktur (rote Pille), oder man führt nur die Teile von Scrum ein, die „nicht weh tun“ und diese auch nur lokal in der Entwicklungsabteilung (blaue Pille) – und landet damit am Ende bei einem nahezu wirkungslosen „Scrum-But“.

Scrum-Einführung

Für die Einführung von Scrum empfiehlt Jeff Sutherland folgende Schritte:

  1. Wähle einen Product Owner
  2. Stelle ein Team zusammen
  3. Wähle einen Scrum Master
  4. Erzeuge ein Product Backlog und priorisiere die einzelnen User Stories
  5. Sorge dafür, dass die User Stories möglichst unabhängig voneinander sind und jeweils klein genug, um innerhalb eines Sprints abgearbeitet zu werden
  6. Plane den ersten Sprint
  7. Setze ein Scrum Board auf und visualisiere alle Arbeiten und Impediments
  8. Etabliere Daily Standups
  9. Nutze das Sprint Reviews um das Delivery vorzustellen und Feedback einzuholen
  10. Nutze die Sprint Retrospective zur Verbesserung
  11. Starte den nächsten Sprint

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