Wozu Agilität? Freeze

Wozu Agilität? Freeze

Stop starting, start finishing!
Arne Roock



 
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Freeze

Und da sind wir den Schritt gegangen, dass wir wirklich erst einmal ein Stopp eingelegt habe. Der Stopp nennt sich „Freeze“. Freeze ist ein Begriff aus der sogenannten Theory of Constraints und bedeutet, dass ich ein Portfolio – oder die Aufgaben die ich gerade habe, denn das geht auch im Kleinen – und stoppe von diesen Projekten von einem Tag auf den anderen einen bestimmten Anteil. Die Literatur empfiehlt mindestens 20 – 25 % stoppen. Das hört sich schon nach richtig viel an. Ich sage: 80 % stoppen. Und 20 % beibehalten. Wir haben es wirklich so gemacht, dass von unserem Portfolio mit vorher einem Dutzend parallel laufender Projekte mit Zustimmung des Top-Managements nachher noch genau zwei übrig waren: Das eine Projekt war Sustaining, also Serienmanagement, einfach um den Markt zu beruhigen: „Da passiert etwas und bald gibt es etwas schönes großes Neues“, aber in der Zwischenzeit muss es einfach auch im Markt weiter gehen. Und dann aber einen Großteil der Entwicklungsresourcen auf das große neue Projekt.

Stop starting, start finishing!

Warum haben wir das gemacht? „Stop starting, start finishing!“ um noch einmal ein schönes Zitat aufzubringen. Es geht ja nicht darum möglichst viel anzufangen, sondern es geht darum möglichst viel zu Ende zu bringen. Denn erst wenn etwas fertig ist und wenn es beim Kunden installiert ist oder auf dem Tisch liegt, erst dann ist ein echter Mehrwert erzeugt worden. Typischerweise, wenn man in Unternehmen guckt, dann sieht es oft so aus, dass ganz viele Projekte parallel laufen. Auf den Folien ist das etwas vereinfacht dargestellt, da laufen 4 Projekte parallel. Was wäre denn, wenn man zu Projektleiter Nr. 1 hingeht… ich denke jetzt mal Sie sind vielleicht ein Projektleiter… (Nein) Darf ich Sie jetzt trotzdem einfach mal so ansprechen? Projektleiter Nr. 1, Sie haben jetzt das allerwichtigste Projekt, ich bin der Geschäftsführer, Sie bekommen alle verfügbaren Ressourcen die Sie gebrauchen können für Ihr Projekt. Nicht nur die paar wenigen, die Sie bisher haben. (Ja da habe ich mal nichts dagegen) Mal nichts dagegen, das ist eine typische Reaktion. Häufig setzt auch vorher erst mal eine Schockstarre bei den Projektleitern ein, weil sie mit dieser neuen Situation erst mal gar nicht umgehen können. Dann überlegen sie aber schnell, was sie sinnvollerweise gebrauchen können und kommen auf einige neue Ideen. Irgendwann haben sie dann erst mal keine neuen Ideen mehr und dann gilt es als Geschäftsführer oder auch als externer Berater noch mal hinzugehen und nachzuhaken: „Und was ist noch sinnvoll? Und was noch? Und was noch?“ Und damit so viel Power wie eben möglich in dieses eine Projekt zu geben.

Das Portfolio um 90° kippen

Das sieht dann so aus, dass man letztendlich das Portfolio auf links stellt. Das Bild ist natürlich vereinfacht und Sie werden es auch nicht hinbekommen, dass die komplette Belegschaft in ein einzelnes Projekt zu bekommen. Weil die Fähigkeiten vielleicht nicht zu 100 % passen. Aber der Ansatz ist wirklich so, dass es in einem Großteil der Fälle möglich ist, genau das zu tun. Der Effekt ist einfach der: Das erste Projekt wird viel früher fertig. Und ab der Fertigstellung des ersten Projekts kann Wert generiert werden. Und dann kommt noch ein Projekt und noch ein Projekt und noch eins. Und dann sehen Sie hier zum Schluss einen zweiten Effekt, der hier auf den Folien noch nicht mal so richtig deutlich zum Vorschein kommt. Auch der Liefertermin des letzten Termins wird nach vorne gezogen! Warum das? Weil die einzelnen Mitarbeiter sich konzentrieren können, weil sie fokussiert arbeiten können, und dadurch die einzelnen Projekte schneller fertig werden als wenn Sie immer switchen müssen. Es braucht einfach nur den Mut diesen Break reinzuhauen, und dafür brauchen Sie Top-Management-Support.

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Teil 1: Wozu Agilität? Klassisches Projektmanagement funktioniert doch auch sehr gut!
Teil 2: Wozu Agilität? Change
Teil 3: Wozu Agilität? Freeze
Teil 4: Wozu Agilität? Zero Bug Tolerance
Teil 5: Wozu Agilität? Continous Feedback
Teil 6: Wozu Agilität? Cross Functional Teams
Teil 7: Wozu Agilität? Unternehmenskultur

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