Wozu Agilität? Klassisches Projektmanagement funktioniert doch auch sehr gut!

Wozu Agilität? Klassisches Projektmanagement funktioniert doch auch sehr gut!

Wer am lautesten schreit, gewinnt.
(Priorisierungsregel # 1)

 

 
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Überlastung

Ich möchte Ihnen heute eine Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte von mir als jungem Entwicklungsleiter in einer recht problematischen Gesamtsituation. Es gab eine spürbare Überlastung in meinem Team. Und diese Überlastung hat dazu geführt, dass Projekte sich verzögert haben. Zum einen durch das verwendete V-Modell, was ja einfach etwas lang gezogen ist. Zum anderen hat die Überlastung aber auch dafür gesorgt, dass die Leute zwischen verschiedenen Aufgaben auch springen mussten. Wenn sich Anforderungen geändert haben, da gab es Sprünge. Es gab viele Abstimmungen. Gleichzeitig waren die einzelnen Bereiche wie Silos voneinander abgegrenzt. Das Anforderungsmanagement durfte nicht direkt mit dem Entwickler sprechen, sondern das musste über Dokumente gehen. Eine ganz, ganz schwierige und heikle Situation.

Wer am lautesten schreit…

Gleichzeitig hatten wir sehr viele verschiedene Projekte im Portfolio. Die einzelnen Mitarbeiter mussten also immer springen. Und da gibt es ja immer eine ganz klare Priorisierungs-Regel: Wer am lautesten schreit, gewinnt und bekommt die Mitarbeiter. So war es auch bei uns. Projektverzögerungen, die sich dann noch weiterentwickelt haben zu Verzögerungen bei der Markteinführung der zugehörigen Produkte. Denn das ganze Spiel geht ja weiter: Wenn nicht nur das Projektmanagement eingebunden ist und die Entwicklung, sondern auch noch Marketing und Vertrieb. Und wenn diese Bereiche dann alle wie Silos voneinander abgeschottet sind, dann ist es eigentlich ganz klar, dass die verzögerten Projekte noch mal später in den Markt kommen. Denn der Vertrieb gibt immer auch noch ein bisschen Puffer drauf, man vertraut sich eben nicht. Genau das Gegenteil von dem, was im agilen Manifest steht.

The winner takes it all…

Wenn man zu spät im Markt ist, gerade auch in innovativen Bereichen wie der Medizintechnik, dann ist man ganz schnell out of business. Es gibt die Regel „the winner takes it all“. Entweder man ist Erster, dann ist man vorne mit dabei, dann bekommt man den ‚pot of gold‘. Oder aber man ist Zweiter, und Zweiter sein heißt erster Verlier sein. Wenn man erster Verlierer ist oder nicht direkt der Marktführer, dann kommt es sehr leicht dazu, dass man in eine Preisspirale gerät. Der Wettbewerb liegt einfach weit vorne. Das einzige, wie der Vertrieb darauf gegenüber Endkunden auftreten kann, ist der Weg über Preisnachlässe. Das führt dazu, dass Unternehmen in ganz ungesunde Situationen kommen, und so war das auch bei uns.

Aktionismus

Was macht man nun in einer Situation in der man merkt, dass es finanziell richtig eng wird? Dann probiert man ganz viel Neues gleichzeitig aus. Dann startet man ganz viele neue Projekte gleichzeitig in der Hoffnung, dass irgend etwas davon den Markt schon treffen wird – Aktionismus. Und jetzt haben wir so einen richtig schönen Teufelskreis. Dieser Teufelskreis befeuert sich nämlich ständig wieder neu: Durch den Aktionismus werden noch mehr Projekte gestartet. Noch mehr gestartete Projekte bedeutet, dass die Entwickler noch mehr Bälle in der Hand mit denen sie jonglieren müssen. Irgendwann fallen diese Bälle runter. Irgendwann ist das nicht mehr handhabbar. Wenn man jetzt denkt, die Situation kann ja gar nicht schlimmer werde: Doch, das kann sie.

Unternehmenskultur

Wenn nämlich Gefühle mit ins Spiel kommen. Wenn Unternehmenskultur mit ins Spiel kommt. Das zeigt sich in Misstrauen. Das zeigt sich in Ängsten. Und diese Ängste und diese schlechte Unternehmenskultur werden von überall aus dem Teufelskreis befeuert und gleichzeitig strahlen sie auch wieder zurück. Deswegen ist es auch so unheimlich schwierig da wieder rauszukommen, wenn man einmal drin ist. Und in der Situation war ich. Ich war jung. Ich wusste nicht, wie es geht. In der Medizintechnik ist ganz klar: Das V-Modell ist Gesetz, es gibt eine Norm von der habe ich vom Hörensagen aus der QM erfahren, dass dort drin steht, dass einzig und allein das V-Modell zugelassen ist. Alles andere ist nicht erlaubt. Deswegen dachte ich irgendwann: Ich kann hier überhaupt nichts mehr machen.

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Teil 1: Wozu Agilität? Klassisches Projektmanagement funktioniert doch auch sehr gut!
Teil 2: Wozu Agilität? Change
Teil 3: Wozu Agilität? Freeze
Teil 4: Wozu Agilität? Zero Bug Tolerance
Teil 5: Wozu Agilität? Continous Feedback
Teil 6: Wozu Agilität? Cross Functional Teams
Teil 7: Wozu Agilität? Unternehmenskultur

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